Trotz des Ernstes der Lage die Freude nicht vergessen

 Erste Synode des neuen Kirchenbezirks Neckar-Kraichgau – Etliche Wahlen standen an 

Von Rainer Ohlheiser
Die Bezirkssynode des neuen evangelischen Kirchenbezirks Neckar-Kraichgau kam am vergangenen Freitag erstmals zusammen. Kirchenrechtlich besteht der neue Kirchenbezirk seit dem 01.01.2026, doch öffentlich-rechtlich erst ab dem 01.01.2027.

Sechs Kooperationsräume und ihre Vertreter
In den sechs Kooperationsräumen waren die Synodalen gewählt worden und viele waren erstmals mit dabei.

Gemeinsam Verantwortung teilen - Gottesdienst 
Der Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche stand unter dem Motto „Gemeinsam Verantwortung teilen“. In seiner Predigt stellte der Vorsitzende des bisherigen Kirchenbezirks Kraichgau Thomas Kerksiek die Frage, wer den Film von Hape Kerkeling „Horst Schlämmer sucht das Glück“ schon angeschaut hatte. Hier ging lediglich eine Hand hoch. Deswegen ging Kerksiek kurz auf den Inhalt ein. Schlämmer macht sich auf den Weg, um das Glück zu suchen. Er findet allerdings nur mürrische Leute. Keiner scheint mehr glücklich zu sein. Vieles befindet sich im Umbruch und unter ständiger Veränderung und die Welt wird immer komplexer. Der gesellschaftliche Zusammenhalt bröckelt immer mehr. Verunsicherung und Zukunftsängste bleiben und die „gute alte Zeit“ wird zurückgewünscht. Auch bei Mose vor einigen tausend Jahren sei der Zusammenhalt im Volk Israel gebröckelt. Mose habe die Nase voll gehabt und nicht mehr die Kraft, den Frust zu bewältigen, was heute klassisch als „Burn-Out“ bezeichnet werde. Gott habe ihm geraten, nicht alles alleine zu machen, sondern die Last auf mehrere Schultern zu verteilen.

Neue Synodale tragen Verantwortung
Auch bei der Auswahl der Synodalen des neu gegründeten Kirchenbezirks hätten wichtige Kriterien eine Rolle gespielt. Die heutige Zeit sei nicht einfach, auch nicht in der kirchlichen Landschaft. „Ab heute sind wir gemeinsam auf dem Weg mit unterschiedlichen Sichtweisen und Kenntnissen. Wir müssen miteinander Verantwortung tragen und uns gegenseitig tragen“ meinte Kerksiek. Die bisherigen Mitglieder der Bezirkssynode wurden verabschiedet und die neuen verpflichtet. Für den Bereich Bad Rappenau wurde Jürgen Steinbach als Klinikseelsorger wiederberufen.

Dank und Ehrungen
Dann standen einige Ehrungen an, welche Dekanin Christiane Glöckner-Lang vornahm. Bereits seit 49 Jahren engagiert sich Marie-Luise Haspel aus Meckesheim in der Landeskirche und Thomas Kersiek ist seit 2014 als Landessynodaler für den bisherigen Bezirk Kraichgau, als Prädikant und seit 2020 als Vorsitzender der Bezirkssynode tätig. „Gemeinsam auf dem Weg“ wurde dann passend von den Gottesdienstbesuchern intoniert.

Verabschiedung des Doppelhaushaltes
Nach dem Gottesdienst ging es zur Tagung dann in das „Haus der Kirche“. Letztmals leiteten die bisherigen Vorsitzenden Thomas Kerksiek und Thomas Lehmkühler die Veranstaltung. Zunächst ging es um die Verabschiedung des Doppelhaushalts 2026/27. Simone Heitz vom Verwaltungs- und Serviceamt lieferte hierzu die nötigen Daten und Fakten, stellte die Eckwerte und den Stellenplan vor. Heitz erwähnte u.a., dass die Gemeindegliederzahlen in den vergangenen zehn Jahren um 16 % zurückgegangen seien. Es wurden insgesamt drei Beschlüsse gefasst. Der Stellenplan wurde mit 12,58 Vollzeitstellen genehmigt. Die Bezirksumlage beträgt im Jahr 2026 insgesamt 155.300 Euro und wird sich im Jahr 2027 auf 156.890 Euro erhöhen. Der Haushalt wurde beschlossen in Einnahmen und Ausgaben auf 1.631.100 im Jahr 2026 und auf 1.641.020 im Jahr 2027.

Bericht der Dekanin
Ihren Bericht begann Dekanin Christiane Glöckner-Lang mit einem Zitat des Dalai Lama „Freude ist eine Fähigkeit, in der wir uns üben sollten.“ Sie übe gerne die Freude, auch wenn es schwierige Themen zu behandeln gebe. Sie ging zunächst auf die bezirkliche Arbeit ein und erwähnte, dass in 60 von 62 Gemeinden die Kirchenältesten gewählt werden konnten. In allen sechs Kooperationsräumen seien Menschen bereit gewesen, in der Bezirkssynode mitzuarbeiten und es hätten sich sogar mehr Kandidaten als erforderlich gefunden.

„Hinter uns als Kirche liegen schwierige Entscheidungen im Strategieprozess. Transformation und Reduktion - diese Stichworte sind seit 2021 unsere Wegbegleiter. Minus 30 Prozent so ist das Ziel, das uns vorgegeben ist und das bis 2032 eingespart werden soll“ meinte die Dekanin. Wie schon in den Kirchen und Gemeindehäusern sei auch die Beampelung in den Pfarrhäusern demnächst abgeschlossen und dann werde man weitersehen.

Das zweite Stichwort sei die Transformation. „Wo müssen wir neu werden?, Wie können wir die Menschen erreichen?, Welche Impulse kann Kirche in einer stark sich verändernden Gesellschaft geben?“ seien entscheidende Fragen. Auch Dinge, die Freude machten, führte sie auf, so u.a. einen gemeinsamen Gemeindebrief, ein großes Tauffest am 17. Mai in Neckarbischofsheim sowie die neue Konfiarbeit in drei Formaten. Es müsse gelernt werden, Kirchengemeinde größer zu denken als nur die eigene Ortsgemeinde.

Personelle Veränderungen führte sie auf. So wird u.a. Pfarrerin Martina Trump in Sinsheim-Reihen am 31. Mai verabschiedet und in Hilsbach und Weiler Pfarrer Dr. Printz am 12. Juli. Der Schuldekan bzw. die Schuldekanin wird am 26. Juni bei der nächsten Synode gewählt und eine Bewerbung liege hierfür bereits vor. Veränderungen im Bereich der Verwaltung zielten darauf ab, einheitliche Standards in der Landeskirche zu erreichen. Abläufe sollen vereinfacht, Haupt- und Ehrenamtliche entlastet werden. Die Digitalisierung solle vorangetrieben und Einsparungen erreicht werden. In den drei Verwaltungs- und Serviceämtern in Nordbaden sei es das Ziel, die Kräfte zu bündeln.
  


Eine Reihe von Wahlen standen dann noch an.
Zum neuen Vorsitzenden der Bezirkssynode wurde Jürgen Layer gewählt, der mittlerweile pensioniert ist und früher als Schulleiter in Heidelberg und Mannheim tätig war. Seit seinem Ruhestand arbeitet er bereits in der Bezirkssynode mit und ist als Ältester in der Markusgemeinde Neckargemünd tätig. Als Stellvertreterin wurde Stefanie Ultes gewählt, welche seit 2018 als Pfarrerin in Neckarbischofsheim fungiert. Die Schriftführung übernehmen Marie-Luise Haspel und Annette Röhrs.

Zu Landessynodalen wurden Helgine Borm aus Angelbachtal und Christian Naujoks aus Eberbach wiedergewählt. Neu hinzu kam Klemens Dittberner, der in Tairnbach, Eschelbach und Mühlhausen als Pfarrer tätig ist.

Zu Dekaninstellvertretern wurden Pfarrer Emanuel Fritz aus Angelbachtal und Pfarrerin Petra Hasenkamp aus Neckargemünd gewählt. Beide stellten sich kurz vor, wobei man erfuhr, dass beide in Hannover geboren seien. „Dies war aber keine Voraussetzung für die Kandidatur“ meinte Hasenkamp süffisant.

In den Bezirkskirchenrat wurden folgende acht Mitglieder gewählt:
Christoph Ambiel aus Sinsheim
Marie-Luise Haspel (Meckesheim)
Joachim Ackermann (Epfenbach)
Axel Kreß und Marcus Zahn (beide Waldwimmersbach)
Susanne Lindacker (Angelbachtal)
Dagmar Heitlinger  (Eppingen-Rohrbach)
sowie Karin Frasl (Kirchardt).

Die Wahl der stellvertretenden Bezirkskirchenräte wurde auf die nächste Synode am 26. Juni vertagt. Mit einem Gitarrensolo des bisherigen Vorsitzenden Thomas Kerksiek und dem Abendgebet ging die Synode zu Ende.